Hässlich?
Wenn Aussehen
krank macht
Ein Film von Annette Schreier
In den
Spiegel schaut sie so gut wie nie. Menschen meidet sie, aus Angst, angestarrt
zu werden. Daniela (32) fühlt sich hässlich. Sie erträgt den
Zustand ihrer Zähne nicht. Außenstehende werden an ihrem Mund nichts
Auffälliges, Hässliches erkennen. Doch sie selbst sieht es anders
und hält ihre Lippen geschlossen, soweit es geht. Durch diese verzerrte
Wahrnehmung ist ihr ein normales Leben nicht mehr möglich. Sie hat ihr
Lachen verloren, ihre Lebensfreude, ihre Arbeit und führt ein einsames
Dasein. Tag für Tag kämpft sie gegen ihr Problem an und hofft auf
die für sie richtige Therapie.
Das Leiden am eigenen Aussehen hat einen Namen:
Körperdysmorphe Störung.
Auch Jens (43) ist daran erkrankt. Er empfindet sich als zu dünn und
somit
für andere nicht zumutbar. Die Folgen: Isolation und Berufsunfähigkeit.
Kaum noch verlässt er seine Wohnung und wenn, dann nur mit mehreren Kleidungsschichten
übereinander. Damit schafft er es, seine Körperformen
zu verdecken. Drei Selbstmordversuche hat er bereits hinter sich.
Sein Alltag beschränkt sich auf wenige Aktivitäten zu Hause. Die
Krankheit wurde zum Lebensinhalt. Sein großes Ziel ist das Zustandekommen
einer Selbsthilfegruppe für Betroffene.
Studien zufolge trifft auf bereits etwa eine Million Deutsche die Diagnose
zu: Körperdysmorphe Störung, - auch Dysmorphophobie (Missgestaltsfurcht)
oder Hässlichkeitswahn genannt. Tendenz: steigend.
Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.
Das Fatale: Die meisten wissen gar nicht, dass sie genau darunter leiden.
Oft verschweigen sie ihr Problem – aus Scham oder aus Angst, als eitel
und oberflächlich abgestempelt zu werden. Nicht selten suchen sie Hilfe
beim Schönheitschirurgen, ohne zu erkennen, dass ihr Problem kein körperliches,
sondern ein psychisches ist. Ein Grund dafür: Das Krankheitsbild ist
hierzulande noch recht unbekannt. Bisher gibt es nur wenige Fachleute.
Menschen mit Dysmorphophobie unterliegen der wahnhaften Vorstellung, hässlich
zu sein. Sie nehmen den Körper oder einzelne Körperteile als so
entstellt wahr, dass sie in einen fatalen Teufelskreis geraten. Ihre Gedanken
kreisen ständig um den vermeintlichen Defekt im Äußeren, der
für andere
kaum oder gar nicht sichtbar ist. Mögliche Folgen sind sozialer Rückzug,
Depressionen und sogar Selbsttötung.
Der Film schildert zwei sehr persönliche Leidenswege.
Daniela und Jens erzählen offen ihre Geschichte. Das ist nicht selbstverständlich,
da Scham bei dieser Erkrankung eine große Rolle spielt.
Doch wollen sie auf das so quälende Hässlichkeitssyndrom aufmerksam
machen und andere Betroffene ermuntern, über ihr Problem zu sprechen.
Wir danken
von Herzen Prof. Dr. Uwe Gieler vom Universitätsklinikum Gießen
sowie seinem Team
und vor allem unseren Protagonisten für ihren Mut und ihre Offenheit.
| Kamera | Günter Handwerker bvk |
| Uwe Köhler | |
| Ton | Stephan Höfler |
| Ralf Hamann | |
| Redaktion | Enno Hungerland |
Text und Fotos © WDR/Screen Land Film











